Tom Schmidt: „Die Jungs sind jung und hungrig“

Tom Schmidt hat beim EBC Rostock e.V. bei den Kleinsten angefangen: 2016 startete der gebürtige Stralsunder zunächst im Bereich Minibasketball und trainierte die Jüngsten im Verein. Es folgten Stationen als NBBL-Assistant Coach und Trainer der U14-Auswahl in der EYBL (European Youth Basketball League). Mittlerweile ist der 29-Jährige Jugendkoordinator und damit Kopf des kompletten Jugendbereiches. Darüber hinaus wird Schmidt in dieser Saison die Rostock Seawolves Juniors in der U19 Nachwuchs Basketball Bundesliga (NBBL) sowie das zweite Herrenteam in der zweiten Regionalliga betreuen.

Im Interview spricht der Jugendtrainer über die Saisonvorbereitung, seinen Trainingsstil und die Ziele für die kommende Saison. 

Tom, diese Saison warten neue Aufgaben auf dich. Was sagst du zu deiner „Neuverpflichtung“? 

Ich habe mich sehr gefreut. Im NBBL-Projekt haben wir ein sehr junges motiviertes Team. Es wird schwer für uns in dieser Saison, der Hauptteil der Mannschaft gehört zu den jüngeren Jahrgängen und muss noch viele Erfahrungen sammeln. Darum ist dieses Jahr das große Ziel, alle Spieler zu entwickeln, unsere gemeinsame DNA zu finden und als Team zusammenzuwachsen. Das ist eine riesengroße Herausforderung für mich. Ich habe aber glücklicherweise mit Nicolas Stricker einen guten Co-Trainer gefunden, der mich tatkräftig unterstützt und mit Christian Held und Dirk Bauermann zwei Ansprechpartner an meiner Seite, auf deren Unterstützung ich mich verlassen kann. Sie zeigen mir Fehler auf und geben Verbesserungsvorschläge. Nicht nur die Jungs sollen sich dieses Jahr entwickeln, auch ich in meiner Rolle will mich weiterentwickeln und an meiner neuen Herausforderung wachsen. 

Wie sind deine ersten Eindrücke aus der Zusammenarbeit mit Dirk Bauermann?

Meine ersten Eindrücke waren wahnsinnig positiv. Ich bin da wie ein Schwamm und versuche, möglichst alles aufzusaugen. Er hat eine großartige Persönlichkeit und einen sehr guten Charakter. Er fordert mich auf jeden Fall im Training, gibt gleichzeitig immer wieder Feedback, worauf man achten soll und was schon gut gelaufen ist. Das Gleiche gilt für Christian. Seit dem ersten Tag stehen wir im Austausch. In der kurzen Zeit bis jetzt, habe ich eine Menge dazugelernt. Es ist ein großes Glück, dort zwei sehr gute Trainer in der Halle zu haben, von denen ich sehr viel lernen kann. 

Wie würdest du deinen Trainingsstil beschreiben? 

Ich lege Wert auf eine hohe Kommuniktion und ein hohes Konzentrationslevel. Das ist mir immer besonders wichtig. Ich will in den Augen der Spieler ablesen können, dass wir für das Spiel brennen und zu jedem Zeitpunkt vollen Einsatz zeigen. Ich möchte eine sehr gute Bindung zu meinen Spielern aufbauen. Dass jeder im Eins-zu-Eins-Kontakt offen und ehrlich miteinander umgehen kann. Nicht nur in der Halle will ich für die Jungs da sein, sondern auch abseits des Feldes. Ich will einen Raum schaffen, in dem sich alle wohlfühlen und sich gegenseitig vertrauen. Ich bin der Meinung, dass man nur so 100 Prozent abrufen kann.

Eine hohe Eigenmotivation und eine gute Arbeitseinstellung setze ich voraus. Faule Leute in der Halle sehe ich ungerne. Ich bin auch fordernd und erwarte eine hohe Intensität während des Trainings und Spiels. Dabei möchte ich aber nicht, dass meine Spieler auf dem Feld oder im Training Angst haben, Fehler zu machen. Sie sollen wissen, dass es in Ordnung ist, mal etwas falsch zu machen. Wir müssen aus unseren Fehlern lernen, damit wir uns weiterentwickeln. Kritikfähigkeit ist eine Eigenschaft, die du als Spieler mitbringen musst. Ich möchte sehen, dass sie es in der nächsten Situation besser machen. Dann finden wir da gemeinsam den richtigen Weg. Mein großes Ziel ist, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, bei der jeder weiß, dass er hundert Prozent zu geben hat.

Welche langfristigen Ziele hast du dir als Trainer gesteckt? 

Mein persönliches Ziel ist es, der für mich bestmögliche Trainer zu werden. Mein großes langfristiges Ziel ist, irgendwann Profitrainer zu werden und am besten eine Euroleague-Mannschaft zu trainieren, wenn es die Möglichkeit dazu gibt. Die Schritte dorthin können unterschiedliche sein. Aber mein nächstes Ziel ist, einer der besten Nachwuchstrainer im deutschsprachigen Raum zu werden. Deswegen gehe ich jetzt auch den Schritt mit der NBBL und der zweiten Regionalliga.

Und welche Ziele verfolgst du mit den zweiten Herren? 

In beiden Mannschaften, sowohl NBBL als auch zweite Herren, liegt der Fokus darauf, den Spielern eine Plattform zu bieten, um zu besseren Basketballern zu werden. Bei den zweiten Herren sind wir jünger geworden: Es verlassen uns ein paar ältere Leistungsträger und dafür rücken jüngere aus der NBBL hoch. Hier ist dieses Jahr das Ziel, den Spielern viele Minuten auf einem guten Seniorenniveau zu bieten. 

Ich denke, wir sind ein gutes Team. Die Jungs sind jung, hungrig und wollen jedes Mal ans Limit gehen und zeigen, was sie drauf haben. Von mir bekommen sie nicht unbedingt den Siegesdruck. Gewinnen ist immer schön, aber mir ist es wichtiger, dass wir am Ende der Saison alle einen Riesenschritt nach vorne gemacht haben und besser Basketball spielen können. 

Coronabedingt musstet ihr das Training eine Weile lang pausieren. Wie liefen die Vorbereitungen dieses Jahr ab?

Ich wusste schon relativ früh, dass ich das Team übernehmen werde. Dadurch, dass die Beschränkungen während der Sommerferien für Outdoor-Möglichkeiten schon gelockert wurden, konnten wir uns gut vorbereiten. Zwar erstmal ohne Kontakt, aber die Jungs haben individuelle Trainingspläne für Kraft und Kondition bekommen. So war der körperliche Faktor  zu Saisonbeginn zufriedenstellend, als wir wieder in die Halle konnten. Basketballerisch haben wir einiges an Zeit gebraucht, um wieder reinzukommen. Es war für viele erstmal merkwürdig, wieder einen Ball in der Hand zu haben und auf einen Korb zu werfen. Trotzdem hatten wir durch Corona eigentlich eine sehr lange Vorbereitungszeit, die aber anders war als andere Vorbereitungsphasen. Mit dem Trainingsbeginn hat man gespürt, dass die Jungs richtig heiß waren, endlich wieder in die Halle und Basketball spielen zu dürfen. 

Wie laufen die Vorbereitungen bislang?

Ich bin ganz zufrieden. Dieses Jahr ist alles ein bisschen anders. Wir hatten ein wenig Pech mit den Testspielen. Wir konnten erst am letzten Wochenende unser erstes testspiel bestreiten. Alle anderen Spiele vorher mussten kurzfristig abgesagt werden. Es ist doch ein deutlicher Unterschied, ob du gegen dich selbst im Training spielst oder auf eine andere Mannschaft triffst. Jetzt liegen nochmal intensive Wochen vor uns, bevor die Saison beginnt. 

Mindestens genauso freuen sich die Jungs auf ihre ersten Spiele in der kommenden Saison. Am Samstag, den 3. Oktober testet die NBBL um 12:30 Uhr gegen die Eisbären Bremerhaven in der StadtHalle Rostock. Die Saison 2020/21 beginnt dann am 10. Oktober mit einem Heimspiel gegen Phoenix Hagen. Die 2. Herren starten am 4. Oktober ebenfalls mit einem Heimspiel. Um 16:00 Uhr treten sie gegen Blau-Weiß Ellas aus Hamburg im Trainingszentrum Bargeshagen an.