ROSTOCK SEAWOLVES BASKETBALL

„Wir sind Botschafter“

Die Gründungsmitglieder des SEAWOLVES-Fanklubs JoggerBrigade erinnern sich im Interview an unvergessliche Basketballmomente, sprechen über die aktuelle Saison und berichten über die Aktion „Für ein buntes Miteinander“, die bundesweit für Aufsehen sorgte.

Die Interviewten sind:
Jan Bernitt:  Capo / Gründungsmitglied und Fanbeauftragter der ROSTOCK SEAWOLVES
Nico Dittkrist: Verantwortlicher für Graphisches / Gründungsmitglied
Veit Barthels: Verantwortlicher für die Texte
Robert Schilke: Gründungsmitglied der JoggerBrigade

Schön, dass ihr euch heute die Zeit genommen habt und ein paar Fragen beantwortet. Eure Fangruppe gibt es ja jetzt auch schon seit November 2010 und ihr habt sicher schon einiges mit dem EBC Rostock und den SEAWOLVES erlebt. Gibt es für euch unvergessliche oder besondere Erlebnisse seit eurer Gründung?

Jan: Unser erstes Auswärtsspiel in Norderstedt ist für mich unvergesslich. Die EBC’ler wussten nicht, dass wir kommen und dass da Leute sind, die sie auswärts anfeuern. Du hättest ihre Gesichter sehen müssen (lacht). Das war es absolut wert. Dann natürlich unser Auswärtsspiel letztes Jahr in Itzehoe. Mit gut hundert Leuten waren wir da und haben ordentlich die Halle zum Beben gebracht.

Dieses Spiel war der absolute Wahnsinn. Unsere Jungs lagen lange zurück, es schien schon entschieden zu sein und dann im letzten Viertel des Spiels haben die Jungs plötzlich die Welt auf den Kopf gestellt und die Eagles vernichtend geschlagen. Der Meistertitel in der 1. Regionalliga Nord mit dem Aufstieg in die ProB ist nicht zu toppen. Ich denke, da werden mir die anderen Jogger zustimmen.

Veit: Ja. Auch zu sehen, dass hier in Rostock und MV der Basketball mehr und mehr an Begeisterung zunimmt und größer wird und wir ein Teil davon sind. Das ist für mich etwas Besonderes.

Nico: Unsere Gründung war für mich ein ganz besonderer Moment. Das ist einfach aus dem Nichts heraus entstanden. Da war ein spielfreies Wochenende bei Hansa. Wir haben eine Alternative gesucht, sind auf den Basketballsport gekommen und dabei geblieben. Die Entwicklung in den letzten vier Jahren, was die Zuschauer, die Fans und das Umfeld bei den SEAWOLVES angeht, ist beeindruckend. Dann halt Itzehoe, ganz klar. Das war eines der Schlüsselspiele; die Atmosphäre, die dort rübergekommen ist, war einzigartig. Das ganze Adrenalin, das Hoffen, wir haben ja zurückgelegen. Jan hat schon immer mit dem Kopf geschüttelt und ich hab immer gesagt: „Lass mal abwarten!“, und dann haben die Jungs das doch noch im letzten Viertel gedreht. Ja, das war auch so´n besonderer Moment. Das war der Hammer. Auswärtsfahrten mit den Joggern sind immer besonders, weil da ist immer gute Laune. Es macht immer Spaß. Und die beiden Aufstiege unserer SEAWOLVES zählen natürlich auch dazu.

Robert: Unvergessliche Momente für sind für mich nach unserer Gründung die beide Aufstiege unserer Mannschaft von der 2. in die 1. Regionalliga, dann in die ProB und das Spiel letztes Jahr in Itzehoe. Das war der absolute Wahnsinn. Es schien alles verloren und dann das letzte Viertel, wo wir das Spiel noch gedreht haben (grinst breit).

Die ROSTOCK SEAWOLVES spielen seit dieser Saison in der 2. Basketball-Bundesliga ProB Nord und stehen zurzeit auf Platz 1. Seid ihr mit dem Verlauf der Saison und dem Team zufrieden?

Jan: Ich denke, dass die Saison für uns bis jetzt grandios verläuft, wenn man bedenkt, dass das Saisonziel Klassenerhalt heißt. Nun stehen wir schon eine ganze Weile auf dem ersten Tabellenplatz. Also dem Ziel sollte wohl nichts im Wege stehen. Ich glaube auch, dass der Klassenerhalt sicher ist.

Nico: Die Frage beantwortet sich fast von allein (lacht). Hätte mir einer vor der Saison gesagt, wo wir zum jetzigen Zeitpunkt stehen werden, hätte ich ihm wahrscheinlich einen Vogel gezeigt. Also mit der Saisonleistung – gut, es gibt immer mal Spiele, wo man den Kopf schüttelt und sich fragt: „Warum geht der Ball da nicht rein und warum ist das so…?“ Und … man muss auch sagen, dass wir so einen starken Teamgeist haben. Es gab mehrere Spiele, wo wir schon sehr hoch zurückgelegen haben und uns wieder herangekämpft haben und am Ende sogar gewonnen haben. Der Teamgeist zeichnet die SEAWOLVES aus.

Veit: Stahnsdorf hat uns am ersten Spieltag in dieser Saison die erste Niederlage zugefügt. Da hab ich schon gedacht, das wird nicht leicht. Aber die nächsten Spiele haben mich dann doch eines Besseren belehrt und mir gezeigt, dass unsere Wölfe der absolute Hammer sind. Ich denke auch, dass wir die Klasse halten werden. Natürlich wäre es der absolute Kracher, wenn die Jungs aufsteigen würden. Aber so hoch will ich nicht stapeln.

Robert: Ich hätte nie erwartet, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt da oben stehen. Auf dem ersten Platz in der ProB.

Ihr steht in dieser Saison in der OSPA | Arena nicht mehr vor dem gelben Block. Warum seid ihr umgezogen und war es eine große Umstellung? Wie seht ihr die Entwicklung des OrangeBlocks?

Jan: Wir wollten dichter am Spielgeschehen sein und das ist vor dem gelben Block nicht möglich gewesen. Dort standen wir immer allein, weit ab von allem, und nun haben wir einen ganzen Block zusammen, der fast immer ausverkauft ist. Der Stehblock wurde von den Leuten supergut angenommen. Dort hat sich, wie der Hallensprecher so schön sagt, der harte Kern versammelt. Und das stimmt. Es sind die aktiven Fans, die wie wir mit Stimmen und Trommeln alles raus holen, um das Team von der Seite zu pushen und zu unterstützen. So hat sich ein richtiger Block geformt, unser OrangeBlock – und darauf können wir stolz sein.

Nico: Die Entwicklung des OrangeBlocks ist ja noch immer am Entstehen. Es kommen immer mehr Leute dazu. Wenn es so weitergeht – was ja gut ist –, wird‘s im Stehblock echt eng. Der Zulauf, den unser Block erfährt, wird wahrscheinlich nur durch die Kapazität gehemmt.

In Rostock scheint in den letzten Jahren, fernab aller Aufmerksamkeit der deutschen Basketballwelt, etwas zu wachsen. Man kann eure Begeisterung verstehen, so wie eure Augen bei euren Antworten leuchten. Auf eurer Facebook-Seite ist in letzter Zeit ganz schön was los. Da war z.B. diese Aktion „Für ein Buntes Miteinander“. Was hat euch dazu bewogen, so offensiv dazu Stellung zu beziehen?

Veit: Wir haben „Für ein buntes Miteinander“ publik gemacht, weil wir uns von sämtlicher Gewalt und Fremdenfeindlichkeit distanzieren wollen. Basketball ist bunt und das ist gut so. Religion, Hautfarbe und Nationalität spielen da keine Rolle. Der Erfolg des eigenen Teams zählt. Egal ob nun ein Farbiger, ein Moslem oder ein anderer das orange Leder im Ring der Gegner versenkt. Wie wir auf unsere Seite bei Facebook geschrieben haben: Jeder hatte Michael Jordan oder einen anderen NBA-Star gut gefunden. Ich fand Shaquille O´Neal damals wie heute cool.

Nico: Der ausschlaggebende Punkt war das Spiel beim SC Rist Wedel gewesen. Da war eine Person, zum Glück nicht aus der Rostocker Ecke. Der hat Sprüche losgelassen, die gingen gar nicht. (schüttelt den Kopf) Ich geh da jetzt aber auch nicht weiter drauf ein. Das war einfach nur hirnlos und ich weiß auch nicht, ob er das selber verstanden hat, was er da von sich gegeben hat. Aber naja. Dazu sei noch gesagt, dass die Leute aus unseren Reihen der JoggerBrigade sehr sensibel mit diesem Thema umgehen. Und dies war der Punkt, dass wir gesagt haben: Wir wollen etwas ändern und müssen auch klar Stellung dazu beziehen.

Jan: Für mich ist „Für ein buntes Miteinander“ eine Lebenseinstellung. Rassismus und Diskriminierung sind leider immer noch heiße Themen in der heutigen Zeit. Wir sind alles Menschen, egal wie wir aussehen oder welchen Glauben wir haben. Leider gibt es noch immer viele, die anders denken. Zum Basketball gehören alle Hautfarben und wie Veit schon gesagt hat: Basketball ist bunt und das ist gut so.

Wie ist es zu dem Kontakt zwischen euch und dem „Fans Respect Fans e.V.“ gekommen?

Nico: Jan, Veit und ich haben uns direkt nach dem Wedel-Spiel getroffen und die Köpfe zusammengesteckt. Im Internet haben wir nach Infos zu dem Thema Anfeindungen im Sport gesucht, etwas gefunden und uns informiert. Daraufhin haben wir einen Text erstellt und auf unserer Facebook-Seite veröffentlicht, welcher dann für ganz schön viel Aufsehen gesorgt hat. Dann haben wir die zweite Aktion in der OSPA | Arena gemacht und drei Transparente ausgerollt mit „Gegen Rassismus“, „Für ein buntes Miteinander“ und „Fans Respect Fans“. Ja, das sind drei klare Ansagen von uns. Nachdem wir das in der Arena veranstaltet hatten, wurde uns gesagt, dass das eine klasse Sache ist. Und daran werden wir anknüpfen.

Veit: Als wir den Text „Für ein Buntes Miteinander“ veröffentlicht haben, stapelten sich quasi die Reaktionen auf unserer Seite. Dieser kleine Artikel hatte so viel Aufsehen erregt. Wir haben doch nur ein allseits bekanntes Thema aufgegriffen und Stellung dazu bezogen. Unter anderem haben auch die Macher von „Fans Respect Fans e.V.“, diverse Fanclubs der Beko BBL, ProA und ProB unsere Seite besucht, uns kontaktiert und uns bestätigt. Das hat uns gezeigt, dass man uns hier oben in Rostock wahrnimmt. Beim Heimspiel am 3. Januar 2015 haben wir dann in der Arena Flagge gezeigt mit einem nächsten Bericht. Auch da klickten verdammt viele unsere Seite an. Zurzeit haben wir 181 Liker auf Facebook. Vor noch gar nicht allzu langer Zeit waren es noch 136. Das macht mich stolz. Der Verein „Fans Respect Fans e.V.“ hat uns zur Anerkennung mit seinen Utensilien ausgestattet, damit wir die Botschaft des fairen Basketballs, vor allem aber seiner Fans, weitertragen. Wir ernten den Lohn für unser Engagement. Schön, dass wir mit unserer Meinung nicht allein dastehen. Wir sind Botschafter!

Wie seht ihr die heimische Fankultur? Gibt es eine Fankultur in Rostock?

Nico: Die gibt es definitiv. Die Rostocker Fankultur ist noch am Wachsen und wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen. Aber man kann schon sagen, dass wir schon sehr viel erreichen. Aber wir wollen noch mehr. Ich denke, das wird die Zeit einfach mit sich bringen. Wir können echt stolz auf das sein, was wir bislang erreicht haben.

Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt. Wir wünschen euch viel Erfolg und weiterhin so viel Engagement für die Zukunft.